Dienstag, 24. April 2012



Zwölftens - Krishna in Vrindāvana -

das Göttliche der Liebe




Eine bunte Pfauenfeder, wie Krishna sie
auf seiner Stirn trägt



Ein leichtes Knacken und Knistern ist unter meinen Füßen, sehr leise ist es sonst hier im Wald — nein ich nenne es richtiger ein dürres Gehölz. Ja, Bäume stehen hier, aber die meisten sind trocken, leere graue Stämme, es gibt fast kein trockenes Laub, nicht einmal Unterholz, keine Kräuter, Gräser, keine Moose oder Flechten auf den Rinden.


Woher aber kam denn das Knacken und Knirschen? Der ganze Waldboden liegt voll mit Plastik-Tüten und -Folien. Sie sind auch ausgetrocknet, obwohl in vielen noch Reste sind, Essen vielleicht. Ein paar Ameisen laufen da rein und raus – das ist alles Leben.


Als ich hier vor 30 Jahren vorbeikam sagte mir ein Einheimischer, „dieses ist Shri Krishna´s Dschungel, hier hat er mit den Tieren gespielt. Doch nun  ist nicht mehr viel da.“ Doch ein paar Minuten später kreuzte ein Rudel großer Antilopen die Straße, „die habe ich noch nie hier gesehen. Vielleicht sind sie gekommen, weil du hier bist, kann das wohl sein?“


Damals hatte dieser Wald noch was Lebendiges, in der Regenzeit grünte es. Selbst ein paar Vögel haben gesungen. „Vor 5ooo Jahren lebte Sri Krishna hier, da war es ein Dschungel,“ sagt mein Begleiter, der sich in den Hindu-Geschichten auskennt. „Sri Krischna war doch der König der Kuhhirten, der Gopas und Gopis. Alles muß sehr grün gewesen sein, grün und feucht, und kleine Blutegel krochen im Gras und suchten nach aussaugbarer Beute – Mensch oder Tier.“


Traurig war er, Gopinathan war sein Name, traurig, weil er seinem geliebten Krishna nicht selbst begegnet ist, weil sogar der Dschungel von damals fehlte. Wenn er vorausgesehen hätte, wie es dreißig Jahre später sein würde . . . Genau genommen – mit den kritischen Augen der Ökologen gesehen – ist hier jetzt Steppe mit ein paar Baumleichen. In der Nähe fährt nun eine Regionalbahn, die Delhi mit den umgebenden Städten verbindet, sie rattelt und knirscht, es soll schon einige Unfälle gegeben haben: ganze Züge sind einfach umgefallen. Auf den kleinen Bahnhöfen können die Gäste sich ausruhen und etwas essen oder trinken – doch von den berühmten Samozas der früheren Jahre finde ich nichts mehr. Nur fast food mit leicht indischem touch.


Viele Menschen leben auf den Bahnhöfen, zwischen den seltener benutzten Nebengleisen. Denen es etwas besser geht, schlafen nachts unter einem Vordach der Halle. Doch innen wacht eine private Bahnpolizei in schwarzen Anzügen, bewaffnet mit Schlagstöcken und auch mit Pistolen.


Ich fragte einige, wo sie eigentlich herkämen, was ihr Beruf, ihre Kaste, ihre Religionszugehörigkeit sei. Hier auf den Bahnhöfen bekomme ich selten eine Antwort außer bösem Gegrummel — an anderen Stellen in diesem Land sind das gängige Fragen zum Beginn eines Gespräches. Einige, die ich anspreche, sind aber Bauern und haben ihr Land verloren — es ist zu Wüste geworden, oder die Regierung hat einen Staudamm oder eine Autobahn gebaut durch den Ort und über die Äcker ihres früheren Lebens. Oder ein großer Industriekonzern hat das Gebiet ihres Volkes einfach aufgegraben und Bodenschätze entnommen — alles ohne sich um die ehemaligen Bewohner zu kümmern, die nun auf der Straße bettelnd umherziehen. Glücklich, wer am Autobahnbau mit arbeiten darf für etwas Geld für die Ernährung der Kinder, glücklich, wer für die Nächte eine Eisenbahn-Anlage findet oder einen Busbahnhof. Die Höfe in dieser Gegend sind überfüllt von den Umherziehenden, von den Heimatlosen, den Armen, Kranken, Bettlern — doch was gibt es denn zu betteln, wer hat was?


Wie gesagt, es war mal anders, ganz anders. Lange vor meinem jetzigen Leben. Früher? In einem früheren Leben? Gab es das mal? Ich versuche, mich zu erinnern. In jenem vertrockneten Dschungel finde ich ein weniger knistriges Plätzchen, wo ich mich hinhocke, unter einen der letzten grünen Büsche, etwas Schatten! Es ist nun so still, daß aus meinen Gedanken-Tiefen Bilder auftauchen, ja, und Laute, erst leise, dann etwas lauter werdend. Erinnerungen, eine alte Reise durch dieses Land Bharat, wie sie Indien damals nannten.







Die Sonne zeigt´s mir, senkrecht strahlt sie von oben – Sommer, Mittag – eigentlich sollte ich einen Schatten suchen und warten bis sie sich etwas zur Seite geneigt hat, horizontwärts. Es treibt mich aber, die nächste Stadt zu erreichen, Vrindāvana. Ich gehe weiter. Meine heißesten Tage hier . . .

Ich versuche, schnell zu gehen, aber so viel Schweiß . . . Da liegt ein großes Blatt, verdorrt aber noch ganz. Ich lege es mir auf den Kopf, na ja, etwas Schatten . . . Hier ist es wirklich heiß, in Uttar Pradesh im Norden Bharat´s. Wie alle hier habe ich mir ein langes, kariertes Tuch um die Hüften gewickelt, dessen verlängertes Ende über meinen Oberkörper hängt. Wenigstens kein Sonnenbrand. Mehr Kleidung wäre tödlich, denke ich.

Vrindāvana - Krishna, Radha, die Gottheiten, die die Menschen hier lieben. Bhakti, die Liebe zu Gott, zu Krishna. Gehe ich tiefer: Liebe zu Vishnu, der weit entfernte und fremde Gott, doch – eben – Gott!

Das Land ist flach, nur am Horizont ein paar Hügel im Mittagsdunst. Die Erde ist trocken und braun und staubig. Ab und zu steht da ein Baum, einige Geier sitzen faul auf der Erde. Einer schüttelt rasselnd sein Gefieder und hüllt sich in eine Staubwolke. Sonst nichts, trockene Äcker. Trockenzeit. Die Straße ist noch staubiger, sie besteht aus zermahlenem Staub – doch wer zermahlt sie? Ich sehe keine Reisenden, keine Ochsenkarren. Die Straße ist leer, obwohl der Hauptweg von Mathura nach Vrindāvana. Ja, es ist Mittag und brennend heiß. Da geht niemand freiwillig auf die Straße – außer vielleicht ein närrischer Pilger aus dem fernen Westen, wie ich. Mir scheint, ich müsste nur ein paar trockene Blätter zsammenlegen, und die Sonne würde sie entzünden. Es ist so heiß, daß sich die Eidechsen in die Schatten der Lagerfeuer flüchten würden, nur weg von der Sonne – habe ich mal gehört.

Der Weg führt durch einen Wald, ich denke an Schatten. Doch ich will ja heute noch in Vrindāvana ankommen. Grüne Bäume, grüne Blätter, Kräuter, Moos wo es feucht ist, Flechten an den Baumrinden. Ein paar bunte Vögelchen und Schmetterlinge, Blumen liefern ihnen Nahrung, scheint es.

Die Nilgai

Da: aus dem Wald kommt eine Gruppe von Tieren, groß wie Pferde, die erwachsenen Bullen mit kleinen Hörnern, ganz gemächlich, sehen umher und queren die Straße. Ich mag nicht näher gehen um sie nicht zu ängstigen, doch sie bleiben stehen und sehen zu mir, als ob sie mich erwarten. Ich gehe sanft näher, und sie beschnuppern mich und lecken ein wenig an mir, an meinem Gesicht, das ist ihre Art zu Streicheln. Ich streichele mit den Händen zurück und erfreue mich an dem weichen Fell. Streichele die Nasen und Hälse und Flanken, die Stellen, an denen sie einander auch streicheln, lecken. Sie werden Nilgai genannt, es heißt, daß Krishna sie geliebt habe und zeitweise mit ihnen lebte. Und mir wurde später gesagt, daß ihr Erscheinen eine große Gnade gewesen sei. Vielleicht eine zustimmende Botschaft von Krishna. Eine Einladung.

Ja, Krishna, der Gott dieser Leute, der Hirten-Gott liebte alle Tiere, und die Tiere lieben ihn, und wenn ein Mensch kommt, so allein wie ich, dann mögen sie denken, da kommt ihr Gott, der Krishna. Und wenn es zwei Menschen sind, denken sie vielleicht, da kommt Radha mit, die Geliebte von Krishna. Und sie kommen heran und begrüßen sie. - Wir bleiben eine Weile zusammen, doch wie ein paar Kamele mit ihren Bauern kommen, ziehen sie sich langsam in den Wald zurück, das wäre ihnen zu viel, denke ich.

Nirgendwo im Land habe ich Tiere so vertraut gesehen wie diese Nilgai – ein Erbe von Krishna´s Wirken. Die Kamele gehen weiter. Da kommt allein eine Frau in weiten, blauen Tüchern, trägt einen kleinen Korb auf dem Kopf, sie sagt zu mir „Hare Krishna!“ und ich grüße ebenso zurück. Wir gehen zusammen weiter. Sie geht hinter mir, so ist es die Sitte hier, der Mann beschützt die Frau indem er den Weg frei hält, Gefahren aus dem Weg räumt. Doch die Liebe bleibt groß.

In der Ferne sehen wir die Kuppeln von Vrindvāvana, Tempel-Kuppeln. Und Türme: Eine Gruppe von Menschen in orange Gewändern kommt entgegen, trotz der Hitze tanzen sie fröhlich und singen, „Hare Krishna, Krishna, Krishna ...“ Die Frau hinter mir singt mit und geht nun neben mir, eilt in fliegenden Tüchern voraus und fällt einem großen, besonders schönen Mann in der Gruppe zu Füßen und küsst den Saum seines gold-gelben Gewandes. Und streicht den Staub von seinen Füßen. Sie kommt zurück, „Chaitanya, Chaitanya ist das,“ sagt sie in Begeisterung, „Chaitanya, der Bote Krishna´s“.

BILD Vrindavana und Pilger

Chaitanya ist sehr hellhäutig, ungewöhnlich hier in diesem Land. Er ist geschmückt mit Girlanden von Blumen. Die Girlanden duften, auch bis zu mir in einiger Entfernung. Chaitanya singt, und die anderen begleiten ihn durch Summen oder Refrains. Dabei tanzen sie immer fröhlich und heben ihre Hände, „Krishna, Krishna, Hare . . .“ sind ihre gesungenen Worte.

Unter einem Baum, der die Straße überschattet, bleiben sie stehen. Aus dem Baum fallen rote Blütenblätter auf den Mann und die ganze Gruppe. Ein Koel-Kuckuck ruft seine Melodie zum Gruß. Und wie er sich schüttelt, fallen noch mehr Blätter. Ein Maina-Vogel ruft „Hare Krishna, Krishna“.

Sie nehmen mich in ihren Kreis und kehren um nach Vrindāvana. Die ganze Zeit singen sie ihr Mantra, „Hare Krishna, Hare Rama“. Diese Menschen strömen trotz der Hitze einen wunderbaren Duft aus, Sandel weiß ich. Sie tragen in mit Stoff umwickelten Flaschen kühle Obstsäfte, von denen sie mir im gläsernen Becher einschenken.

„Die Nilgai, die dir begegnet sind, sie sind die Nachfahren der Nilgai, die um Krishna lebten als Er hier wandelte. Es ist ein großes Wunder, wie sie dich begrüßt haben, wo du ihnen doch fremd sein mußt – Reisender von weit her. Das ist ein Zeichen, daß du hier willkommen bist. Und so nehmen wir dich in unsere Mitte, und du begleitest uns zu unserem Tempel.“

Chaitanya nimmt mich in seine Arme und tanzt mit mir – „zu Ehren von Krishna, ich sehe, du bist ein Bhakta, ein Liebhaber Krishnas,“ singt er.

Nun stehen am Wege einige Schreine, so hoch wie ein Mensch, und in den Schreinen stehen kleine, bunte Figuren, „die Gopis, die Hirten, und ihre Kuhherden“ sagt jemand. An jedem Schrein machen wir eine Pause und singen ein Lied zu Ehren der Frauen und Männer, der Hirten, der Gopis, die seinerzeit Krishna´s Leben begleiteten. Im letzten hängt ein Bild, das ich euch hier zeige, wie es jemand für diesen Bericht abgemalt hat.

Krishna und Radha

Ihr seht, wie Krishna mit Seiner liebsten Gopi Radha unter einem blühenden Baum sitzt. Die Haut von Krishna ist blau, und Er trägt nur ein gold-gelbes Tuch um die Hüften. Auf Seinem Kopf ein goldener Turban, darin steckt eine Pfauenfeder. Radha sieht verehrend zu Ihm auf. Einem gewöhnlichen Menschen ist es vergönnt, sich der Gottheit so intim zu nähern – da ist gewiß Verehrung.

Radha ist in blaue Kleider gehüllt – ist Blau die Farbe der Gottesverehrung?

Chaitanya wendet sich wieder um und hakt ein Mädchen und einen Knaben ein, tanzt mit ihnen weiter die Straße entlang. Verliebt schauen sie hinauf in sein schönes Gesicht. Wirklich, ich habe nie einem so schönen Menschen in die Augen gesehen. Schwarze Augen in hellbraunem Gesicht, lange schwarze Haare wehen – im tanzenden Gang die Straßen entlang, geschmückt mit einer Pfauenfeder über der Stirn. Chaitanya´s Gesicht ist glatt wie das eines Jünglings, ein dunkler Flaum auf der Oberlippe, es ist kaum  zu sehen, ob ich nicht einer Frau in die Augen sehe, doch die Haltung, der kräftige Gang, seine singend-tiefe Stimme, zeigen mir, hier ist ein Mann von großer Schönheit. Ich möchte ihn malen können, doch das ginge weit über mein Können.

Die Frau, der ich schon vorher begegnet war, kommt wieder zu mir und sieht nun in meine Augen, „du hast ja blaue Augen, habe ich noch nie gesehen, wie wundervoll! Und wie selten.“ Anita hat dunkle Haut, ihr Gesicht glänzt in dunkler Bräune. Mit den Händen umfasst sie mein Gesicht – und nach langem Zögern und Spüren küsst sie mich mit ihren braunen Lippen, erst auf die Wangen, dann auf meine Lippen – „oh, und deine Lippen sind ja rosa!“ –, dann auf meine Augen. Anita´s Augen sind gelblich, auch selten, mit einem schmalen, dunklen Ring um das Gelb. Sie glänzen als ob Tränen geflossen sind. Ihre Lippen sind etwas dunkler als die Haut.

Unsere Lippen bleiben aufeinander, wie die anderen herankommen und uns freudig ansehen – „Gott Krishna hat euch gesegnet – ein so schöner Kuss, ein so schönes Paar dieser Augenblicke!“ Für kurze Momente mache ich meine Augen auf und sehe den Schwarm um uns, und sehe voller Liebe in Anita´s Bernstein-Augen. Nach wenigen Küssen, und nach wenigem zustimmendem Summen der anderen lasse ich mich so tief hineinsinken in die Liebe . . . versinke in eine Tiefe, in der keine Empfindungen mehr sind, auch keine Dunkelheit, kein Licht, einfach ohne irgend etwas wie Licht. Ist das Gott? Ist das Shiva, der Herr über alles, auch über meine Gefühle, auch über das Ganze meiner Liebe? Herr über meinen Körper, in dem ich nun nur noch das Eine fühle.

Anita ist die Botin des Gottes, die Botin des Gottes, den sie Vishnu nennen, und der uns als Krishna erschienen ist, und ich (als Mann) bin immer wieder angezogen von dieser Mensch-Form, die sich äußert als die weibliche Form. Die schönste Form des Mensch-Seins. Verliere mich in  dieses Weibliche. Ich sehe es in jeder Frau, jedem Kind, auch in den Pfauen neben der Straße, ja in den großen Augen der Kamele mit ihren sensiblen Wimpern.

Liebe, Liebe, das ist so viel, das ist die ganze Göttlichkeit. Chaitanya spricht dazu,

„Krishna sagt, selbst wenn ich mit den süßesten
Engelzungen reden würde,
und bestünde nicht aus lauter Liebe,
wäre ich nichts als eine Glocke aus tönendem Erz
oder eine leer klingende Schelle.
Und sogar wenn ich alle Geheimnisse und
alle Erkenntnis wüsste, selbst wenn ich Berge versetzen könnte,
und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts.
Ich dein Gott, den ihr Krishna nennt,
bin die Liebe und sonst nichts.“

Ich kenne dieses aus meiner Kindheit, zuhause hatte das unser Priester zitiert, er hat seinen Christus zitiert. Seinen Meister. Und nun sehe ich die Ähnlichkeit der Namen Christus und Krishna. Hier ist das göttliche Geheimnis. Für alle göttlichen Menschen ist Liebe die Allheit des Lebens. Wir Menschen sind Ausdruck der Liebe, sind die höchsten Geschöpfe der Gottheiten. Denn wir kennen die Liebe.

 auf die Rückwand eines Schreins hatte vor langer Zeit
ein Bhakta dieses gemalt

Hier für dieses Land Bharat ist Vrindāvana der Platz, an dem sich die göttliche Liebe am dichtesten manifestiert hat. Hier sammeln sich die Wesen, die nach Liebe dürsten – so wie in Jerusalem die Liebes-durstigen des Westens.

Wir erreichen den Ashram dieser Krishna-Bhaktas, der Krishna-Geliebten, ein offenes Tor, umrandet mit bunten Frescen aus Blumen und Tieren, und oben als Schlußstein die Pfauenfeder. Aus dem Ashram, vom Altar höre ich das Singen der Mantras – „Hare Krishna, Hare Rama ...“. In Weiß gehüllte Priester bringen Prasadam – eine Ofpfergabe an die Gottheit – dar, und wie das Ritual beendet ist, bekommt jeder von uns ein klein wenig in ein Blatt gewickelt. „Eine Gabe Vishnu´s an dich.“ Tief dankbar nehme ich die Gabe an. Feierlich von beiden Händen umfasst, und setze mich damit unter einen Baum. Hier sind schon andere Bhaktas, führen die ins Blatt eingewickelte Gabe an die Stirn, an den Mund, an die Brust, dankbar sich selbst segnend mit der Gottesgabe. Mit der Gottes-Liebe, die sie Bhakti nennen.

  Das Prasadam, es war in zwei Blätter eingewickelt,
doch nun liegt es auf den geöffneten Blättern auf
dem Marmor-Boden vor Anita.
Ihr seht eine köstlich gewürzte Süßpeise,
die wir genüßlich im Mund zergehen lassen

Anita kommt mit einer gleichen Prasadam-Gabe und setzt sich mirb gegenüber. Wir verbeugen uns voreinander, und sie gibt mir ihr Päckchen, ich gebe ihr meines. So tauschen wir diese Zeichen der Liebe. Andere Bhaktas scharen sich um uns und legen ihre Hände auf unsere Körper. Anita legt sich auf die Erde und zieht mich mit. Wir liegen dicht nebeneinander, und alle Hände liegen auf uns und in der Nähe.

Im Ashram wird nun musiziert, ein Saiten-Instrument, „die Vina“ sagt Anita. Später kommt eine Frau, die ihre Vina mitbringt und uns zeigt, alle dürfen sie mal berühren. „Sie ist mein Liebling,“ sagt die Spielerin, „ich liebe sie wie nichts anderes – natülich Krishna geht allen vor, er gibt mir die Musikalität. Doch sonst, mehr noch als mein Kind.“


Eine Vina-Spielerin - hinten ein Tempel von Khajuraho

Jemand bringt Süßigkeiten, ich nehme zwei Stücke und berühre damit Anita´s braune Lippen. Schließlich öffnet sie ihre Lippen und fasst das Stück vorsichtig und leckt daran. „Außer deinen rosa Lippen liebe ich dieses Halva, hm.“ Ein halbwüchsiger Knabe kommt und streichelt Anita´s Wangen und summt hell dazu, „er ist mein junger Liebling, er bekommt das zweite Stück Halva,“ und sie legt es ihm auf seine Lippen, das Spiel geht weiter. Anita nimmt meine linke Hand und legt sie auf die Kehle des Knaben, „fühle mal, wie du mal warst, auch so zart, oder? Eine so kleine Kehle, ja?“ sagt sie. Und es beginnt der Knabe wieder zu summen und zusammen mit der Vina ein kleines Lied zu singen. Meine Liebe wird auf eine neue Weise berührt, „ist das auch eine Gabe von Krishna?“ frage ich.

„Alles ist eine Gabe Krishna´s. – Für unsere Liebe schuf Krishna erst die Knaben, dann die Männer. Alles zur rechten Zeit.“

Die helle Stimme erinnert mich an meine Jugend: Erst als ich wirklich groß war, wechselte meine Stimme und der Bart kam, und mein Körper wurde breit und stark. Bis dahin hatte ich viel gesungen, hell gesungen, ich erinnere mich, und für die anderen Leute war das etwas Schönes – aber dann? Und die Mädchen hatten mir meine weichen Wangen gestreichelt und haben mir gezeigt, daß ich das genießen kann, doch später war es nicht mehr so.

Und nun erlebe ich hier einen Knaben, der ähnlich ist, das holt mir meine Jugend in die Erinnerung zurück. Ich liebe die hellen Stimmen der Kinder und Jünglinge, weil mich das an meine eigenen schönen Jugendzeiten erinnert, doch meine ist nun so tief, daß es mir ein wenig peinlich ist. In meinen Jahren während der Schulzeit und Ausbildung, bis ich wirklich groß und Mann war, lebte ich ein Knabenleben eigener Art. Ich hatte keine Zukunftsziele sondern habe einen gewissen Ratschlag befolgt: sei so wie du jetzt bist, sieh nicht auf eine Zukunft, von der du nichts wissen kannst. Genieße es wie du bist. Das wird irgendwann wieder vorüber sein, dann kommt Neues, aber jetzt . . .

Das habe ich auch wirklich befolgt, ich sah immer ganz bewußt auf das, was ist. Ich habe Dinge getan, die andere Knaben nicht so mochten – eben das Singen, auch Tanzen, und ich hatte viel Freude am Allein-Sein, lief viel in Büschen und Wäldern umher und kletterte auf Bäume und sprang in Teiche und Flüsse. Ich trug Kleidung, wie ich sie mochte, oder gar keine, richtete mich nie nach dem, was üblich war oder was ich sollte. Dadurch war ich für meine Familie nicht leicht zu ertragen, lebte nicht nach ihren Regeln.

Das alles erzähle ich in den nächsten Tagen, die ich hier im Ashram lebe, dem Knaben, den Anita in den Armen hält. Auch ich ließ mich damals von anderen Menschen in den Armen halten und lag mit ihnen auf den sonnigen Wiesen meiner Heimat (bei uns zuhause war es nie so brüllend heiß wie hier) und tanzte mit ihnen, und wir streichelten einander.

Hier in diesem Ashram ist ganz viel Liebe, Liebe in diesem Volk ist etwas viel Größeres als bei uns, sie nennen es karuna, das ist das Gefühl und Verstehen für alle Wesen, ob Menschen oder Tiere oder Pflanzen, ob sie gerade leben oder mal waren oder mal kommen werden.

Und dann ist da ein Mädchen, das legte sich auch in Anita´s Arme, und ich sah, sie ist so liebevoll und lebensfroh wie der Knabe. Daneben sitze ich nun und streichele über die drei und lasse mich schließlich auch streicheln – und Anita nimmt uns alle und geht mit uns zu Krishna´s Altar, und wir singen für Krishna Dankeslieder. Da ist ein großes Bild des Gottes, wie er eine Flöte spielt, und er sieht aus wie der Knabe, der mit uns kommt, sieht aus wie ein wunderschönes Mädchen, das von allen bewundert ist. „Krishna ist in allen Wesen,“ sagt Anita, „und nun siehst den Gott hier so, wie er für dich am schönsten ist. Und er ist auch ein großer Lehrer der Lebenskunst.“

Das Mädchen schlängelt sich um Anita, „bin ich auch so schön wie unser Krishna?“ „Ja,“ sagt eine andere Frau zu ihr, „ich liebe doch den Krishna wie er gerade für mich ist, wie ein reizendes junges Mädchen. Darum sehen alle Knaben doch wie Mädchen aus, damit wir unseren Gott so lieben wie er ist, wie es für uns schön ist.“ - Doch für die älteren Damen stellt Krishna sich als kleines Kind - „Balakrishna“ - dar:


Im Altar hängt ein weiteres Gemälde vom jungen Krishna wie er die Flöte spielt. Sieht er nicht so reizend wie ein Mädchen aus? „Ja, das ist es,“ sagt die Frau, „du ähnelst ihm so sehr, daß dich alle lieben.“ Das Mädchen wird ganz rot, und ein paar Tränen fließen auf ihr gelbes Kleid. Der Knabe umarmt sie und küsst ihren Mund und küsst liebend die Tränen von ihren Wangen, alle freuen sich über dieses schöne Bild der Liebe.

Der Knabe aber bekommt die Aufgabe, den jungen Flöte spielenden Krishna darzustellen, nach diesem Bild. Ich will mal versuchen, seine Darstellung zu zeichnen:


Eijn altes Lied (#123)
Hari Krishna
Hari Krishna
Hari Krishna

Laß mich 
Dein demütiger
und ergebener
Diener sein.
Leite mich an
und führe mich,
daß ich Dein
liebender
Bhakta werde
- in Demut und
in bedingungsloser
Gefolgschaft

Hari Krishna
Hari Ram
Hari Krishna




In der Nische des Altars liegen ein paar gemalte Blätter:

Die schöne Radha


Krishna mit den Gopis

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Diese Geschichte spielt in der nord-indischen Stadt Vrindāvana und ist erfunden. Ich war mal dort und habe das Milieu, die Stimmung so erlebt. Krishna, der vierte Avatar (göttliche Incarnation) der Gottheit Vishnu, lebte in dieser Gegend. Seht bei Google für mehr Informationen. Chaitanya war ein Bote Krishna´s im späten Mittelalter. Aus seiner Tradition entstand vor ein paar Jahrzehnten die Bewegung International Society for Krishna Consciousness (ISKCON). Mehr Informationen bei Wikipedia. Aus Freude an dieser Bewegung und der religiösen Betonung der Liebe habe ich die Geschichte erfunden. Doch am Anfang drücke ich meine Sorgen um die von uns Menschen erzeugte Veränderung der Natur aus.

Meine Bleistift-Zeichnungen sind nach gefundenen Fotos. Danke den Fotografen.


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Dienstag, 20. März 2012

Neuntens - Meine Liebe zu mir
und zum Fohlen-Knaben auf dem Schrank

Die gesamte Liste meiner Blogs ist hier:




Ein sehr langer, sehr rechteckiger Bücherschrank, Glas-Schiebetüren, viele Bücher, und oben auf dem dunklen Mahagoni-furnierten Schrank kleine und größere Figuren: eine hockende Frau, eine stehende Frau, fünf Tiere: Fohlen, Esel, Lämmchen. Aus Bronze gegossen, sagte meine Mutter. An der Wand dahinter ein paar Bilder, eines bunt mit einem Reiter mit Hunden und einem komischen Hut, ein anderes eher bräunlich mit Reitern auf der Jagd. Im Schrank Romane und große Bücher über  Kunst.

Zuerst habe ich das alles eher von unten angesehen, von unten, da ich klein war, vielleicht acht Jahre alt. Das war in unserem Wohnzimmer, wo die üblichen Wohnzimmermöbel standen ... und eine gläserne Schiebetür mit zwei Flügeln nach draußen, die auf die Terrasse hinausführte. Garten, im Sommer Rosenbeete ...

Ich ließ mir die Tier-Figuren reichen, vermutlich war meine Mutter stolz, daß ich so interessiert war. Es war ja ihre Freude an der Kunst. Sie war früher nach Berlin gefahren um diese Figuren auszusuchen und zu kaufen, in den 30er Jahren. Wo sie sie bekommen hatte, weiß ich nicht, habe nie gefragt, leider. Die Gestalterin der kleinen Tier-Bronzen Renée Sintenis war in jenen Jahren von den damaligen Herrschern des Landes nicht gerne gesehen und ihre Figuren wurden kaum öffentlich angeboten – habe ich viel später gelesen, Berufsverbot.

Eine ihrer Figuren auf unserem Schrank musste ich immer wieder in die Hände nehmen und abtasten: ein nackter Junge führte ein Fohlen, hatte seinen rechten Arm um den Hals des Fohlens gelegt, beide schritten aus. Schlank beide Körper, sehr schlank und von natürlicher Form und Grazie. Das Gesicht etwas verschwommen, nur der Mund abwartend, suchend, aufnmerksam, ein wenig vorgestreckt. Das Gehen, der Körper, die schwarze Farbe, die unglatte Art der Künstlerin, die Figuren zu formen ...
 



Nackt – das ist Freiheit – und Scham zugleich. Und das Tier im Arm, in die Freiheit ziehen. Hat Frei-Sein was mit Scham zu tun? Ich liebe diese kleine Figur von Renée Sintenis. Ich möchte keine Scham in mir haben, Scham ist Leiden, ich möchte „schamlos“ nackt in der Welt umher ziehen. Und diese geliebte Figur zeigt es mir. Es geht.

Mit 15 Jahren dann lebte ich für ein paar Wochen in einem kleinen Walddorf  beim alten Förster August Weck und seiner Frau Emeli. Das war eine einsame Gegend, und die Bergwälder waren weitläufig und auch mal dicht – dann wieder durchlässig für das Sehen und Gehen.

Oft lief ich allein in die Schatten der Wälder, nur mit einem weiten, grün-wollenen Cape bedeckt, in das ich meinen sehnsüchtigen Körper wickeln konnte, wenn mir mal kalt wurde. Barfuß, allein, wendig, schnell, kletterte auf Bäume und Felsen und genoß die Nacktheit unter dem Cape, und angelehnt an die starken Bäume. Die Rinde kratzte meinen Bauch und die Schenkel. Und genoß es, wenn Stürme oben auf dem Berggrat das Cape umherwehten und meine Haut kühlten und zum Schaudern brachten. Gänsehaut.

Immer musste ich an den Pferdejungen denken – endlich, geliebter Pferdejunge, habe ich es geschafft. Hätte ich nur hier bleiben können. Naturmensch, nein Natur-Junge. Im harten Winter nackt in Frost und Schnee leben, im heißen Sommer nackt in Hitze und Staub, im Gewitterregen das Cape an einen Baum gehängt und die Nässe auf der Haut, runterlaufendes Wasser, runterhängende lang-nasse Haare, Tropfen. Und die drohenden Blitze in der Nähe, das Donnern ganz dicht und ohrenschmerzhaft. Und von den Bäumen stürzende Äste, gefährlich? Und schreiende Krähen über den Bäumen im Sturm schaukelnd, genüsslich scheint es.

Geliebter Fohlen-Junge – du hast mir diese Wege gezeigt. Auf diese Weise war Renée meine Lehrerin, meine zweite Mutter, meine Kunstlehrerin, meine Naturlehrerin, ihre Liebe zu den Tieren, die nun ganz klein auf unserem Schrank standen. Hier auf dem Berg hätte ich eine Hütte oder eine Höhle haben mögen. Vielleicht einen kleinen Ofen – einfach weil ein Ofen etwas sehr Uriges ist. Waldhütte wie ich sie in alten Büchern gesehen habe, zusammen mit einem kleinen Pferd (denn ich war ja auch klein, immer noch). So wie der Fohlen-Junge, und Arm um seinen Hals nackt zusammen durch den Wald stromern. Und in den kleinen Stauteichen schwimmen (das Cape am Ufer abgelegt). Und hinterher schüttelt das Fohlen das Wasser aus seinem Fell und ich bekomme eine Dusche. Und dann kommt das Fohlen und leckt freundschaftlich das Wasser von meiner Haut – oh wie wohlig.

Und dann legen wir uns zusammen ins Vorjahreslaub (Fohlen müssen viel schlafen habe ich gehört – und 15-jährige Knaben auch, habe ich selbst erfahren), und ich schlinge meine nackten Beine um den Leib des Fohlens und fühle seinen felligen Rücken zwischen meinen sensiblen Schenkeln und an Glied und Hoden. Und lege mein Gesicht ganz dicht an seines, und spüre das leichte Schnauben aus der weichen Nase. Und lege das Cape über meinen Körper. Danke geliebtes Fohlen – auch wenn du zur Zeit noch aus kalter Bronze bist, du hast mich das innere Leben gelehrt. Du begleitest mich in meine Wach- und Schlafträume, das ist schon viel – und meine ganze Liebe breitet sich auf dich aus.Und du wirst mich mein ganzes Leben begleiten – bis ich dich einem anderen 15-jährigen Jungen unbemerkt zur Entdeckung hinstellen werde – er mag deine Nähe zur Entdeckung seines Körpers und seiner Liebe erfahren. Seiner Liebe zu seinem Körper und seiner Gefühle und seines Traum-Fohlens.

Einmal begegnet August Weck mir im Wald, weißhaarig, und ich sehe ihn nicht so schnell daß ich das Cape umschlingen könnte. August (wie ich ihn nennen darf) sieht meine Nacktheit und freut sich über mein Freisein, „so schöne Freiheit hätte ich auch gern.“ Doch von meinem Fohlen erzähle ich ihm nichts, nie, zu viel Scheu (oder doch Scham?). Zu viel Scheu, von meinen tiefen Gefühlen und Sehnsüchten nach außen zu geben.

„Auch bei uns in der Försterei brauchst du nur das Cape zu tragen, das ist echtes Mensch-Sein,“ sagt er noch und stapft weiter auf seiner Pirsch. Die Liebe zu dem Bronze-Fohlen und dem Fohlen-Knaben, erfunden und geformt von der großen Renée Sintenis in Berlin, erfüllt meinen Körper und meine Seele – bis heute, da ich fast 80 bin und weit weg von den Wäldern und Bücherschränken meiner Kindheit lebe.











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Freitag, 2. März 2012

Achtens - mein schöner Körper

Stefan loves his body




Die einzelnen Posts haben am Anfang eine Nummerierung ("Erstens ..."), 

das zeigt die Reihenfolge der Erlebnisse.
Unten  im grauen Feld seht ihr das Blog-Archiv mit allen Posts in diesem Blog, die ihr anticken könnt.  Andere Geschichten von mir - sie sind nicht alle erotisch, aber auch nicht ohne ... - findet ihr hier: http://mein-abenteuer-mein-leben75.blogspot.com/ .





Boys and Girls – 5 a.m., 
the pump of the central heating jumps on – well, a real german way of expressing what happened but it fits to the sudden rumbling in the iron pipes in the house distributing the welcomed warmth produced in the basement. Waking me up and somehow reminding me of a very old feeling in my body, in childhood: the love to my body, I love my body. Caressing it, maintaining it with oils and cremes, looking at the knees and the hands, dancing in long dresses like a fairy, enjoying the warmth and gentle touching of the bed cover, sleeping ... sleeping is the greatest joy! Enjoying the skill of the limbs.
 
Usually, as a boy in those martial times at the end of the war, I wear boy clothes, a thick leather military belt with a thick buckle, „for God and fatherland“, pockets in the short trousers filled with knife and stones and rare findings. But that was not what I really liked, not bad but not perfectly fitting to my taste. Girls´ clothes are nicer, and more enjoyable. Somebody who knows my feelings gave me a beautiful night gown, down to the feet, and with a fine picture of Alice in Wonderland on the back. Of course it is far too small since many years, but still I have it and enjoy the picture when feeling a longing for beauty and softness. 



 While standing in front of Lewis Carroll´s house -
Alice flies through my fantasies

Here is a copy of Alice for you. May be you can also enjoy the body-love-feelimg as I did and do. You see that Alice wore long stockings, and that was the beginning of my life-long longings. But in general, times were not fulfilling my desires. I wore Alice with her lovly attire on my back and was only afraid that through use and washing the gown may fade and be torn. So I seldom wore it in bed but hung it on a hanger on a nail in the wall, only when the longing for my love was overwhelming I wore it and felt very close to this girl. I did not even know the story ... but well it was my love, I did not tell others about it, only an old aunt in whose clothes I saw her love for her body. And it was she who gave me the gown.
 
Now she is dead since long, as I am also very old and live from my old memories and remembrances. These stories fill my sighs and sights and nights and may accompany me deep into my death. Those youth years were so fine in my remembrance, they were the basis to all my personal characters, the sensitive parts of my character. I was so happy that war times did not hurt me very much – in  contrast to most other european children in those years. Most of them may still suffer in their soul from the cruelties of fate. And I hope that stories like these may help them to find a small path through the confusions in their soul. My story is not in all aspects factually true but it expresses my feelings in those wild years.
 
In the morning when I woke up and had washed my body – this washing was a wonderful almost daily experience – with a finger I massaged my skin very slightly. That was the beginning of my day, and it somehow caressed the day and sanctified it. In most days however it remained a dream, a deep, deep inner dream, only seldom told to my aunt under tears. In school when my soul got scratched by the hardness of life I withdrew into those dreams, to the dismay of my teachers who loved my tenderness but could not work with it in classwork.
 
The best and least self-hurting was to hide into myself like a wren into his nest and look shyly out to controll things around me without interfering ...
 
My body sensitivity, body love was perhaps the basis for my deep love experiences in my life. Still is.
 
While I am writing this I listen to Beethoven´s Violin Concerto played by Great Master Yehudi Menuhin, and it creates tears again. And I remember my legs. They always were the centre of my love, since I was a boy. Mostly the knees, and they were so beautifull! And I had almost to loose them when I was 20. When a Polio-attack paralised and lamed my legs (and other parts of my body). They still are there, but no longer real tools for walking and jumping and running and dancing and climbing.
 
During many following years I succeeded to do my life to some extent, but some beauty was lost. So I created another, new beauty: I finally clad my legs in colourful long stockings. And wear skirts in scottish and irish tartans and enjoy this feeling deeply – more than I enjoyed it as a child when long stockings were common for children – though not in such beautiful colours.

 my old and adorned legs

Nice children grew up in our family, a nice wife helped my life. And one thing supported me most throughout the whole life: the love to my body. It was no longer beautiful, but I developed an inner viewing into all inner directions, looked at this and that point from inside and addressed the organs: „how carefully you do your precious work!“ – „please take care not to overstress your strength and energy resources,“ – „I´m so thankful that you still work since so many years in spite of many services I expect from you.“ Who knows how I would have handled all this without my love?




A few pictures to explain my feelings as a child are here:








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Zehntens - Stefan liebt seine kostbaren Knie




Zu den Knien schrieb ich neulich an Frieda einen Brief, den ihr hier lesen dürft, hat sie erlaubt: Eigentlich ist es ein fiktiver Brief, den ich erst 55 Jahre später schrieb.



Geliebte Frieda, gell, deine Knie sind doch sehr gut geformt. Meine vielleicht nicht so, Männer-Knie sind breiter, nicht so ausgeglichen wie Frauenknie, oder Kinderknie, sind nicht so harmonisch – von vorne gesehen. Männerknie sind breiter und stärker, scheint es. Obwohl es gerade die Frauen sind, die das eine oder andere Kind austragen müssen und starke Knie brauchen.

 
  Die Schulmädchen der 1950er Jahre -
wir Jungs haben gerne und verlegen hingeguckt

 Ich denke daran aber meine es jetzt gerade nicht: „Blut ist ein besonderer Saft“ (wie der Mephisto in Goethe´s Faust) sondern „mein Knie ist ein besonderes Glied.“ Wenn ich die kleinen Kinder hier nackt durch´s Haus rennen sehe, bewundere ich die Leistungen ihrer Knie.

Und wie ich dich tanzen sah, oh Frieda, den Boogie-Woogie damals im Loretto-Tanzclub, und alle die anderen Mädchen, bewundere ich eure Knie. Ihr habt sie uns gezeigt – ob absichtlich oder als Nebeneffekt, weiß ich nicht. Sie waren alle geschmückt mit den schönsten Strümpfen, die ihr tragt, Perlon oder eher altmodisch in hellgrauer Baumwolle. Und der dunklen Naht auf der Rückseite, die durch´s Tanzen immer wieder verrutschte. Und mit den Unterröcken mit Spitzenrand und Kleidern, die sich im Schwunge des Tanzens immer wieder anhoben.

Alle paar Minuten habt ihr euch im Tanze umgedreht um zu kontrollieren, ob die Naht auch korrekt sitzt, und seid rausgegangen um die Strümpfe wieder zurechtzuziehen. Manchmal habe ich es gesehen, wenn ein Mädchen im Flur des Clubs stand und sich vor dem großen Spiegel wieder zurechtzog. Oder zwei einander halfen nachzusehen, ob alles in Ordnung ist. Trotz dieser Umstände habe ich es gemocht, die Strümpfe anzusehen – ein starkes Symbol eurer Fraulichkeit. Und dennoch nicht etwas auf´s Fest Zugeschnittenes, sondern mit Bewußtsein und Sorgfalt alltäglich. Das war eure Art, und sie lebt nach so vielen Jahren noch immer in meiner Seele – voller Hingabe und Liebe.

Wenn ich euch bei dieser Tat im Flur begegnete, hatte ich Vielzahl von Gefühlen: klar, ich sah, wie zwei Mädchen ihre Fraulichkeit ein wenig mehr öffneten als vorher im Saal, einander öffneten.

Doch das machte mich scheu, und ich wandte mich ab – ein wenig widerwillig –, sah woanders hin, es gehört sich wohl so, dachte ich. Und ging weiter. Doch eine sooo weibliche Stimmung schwebte da im Flur, ich bin froh, daß ich dafür Zeit meines Lebens empfänglich war! Und immer empfänglicher wurde als jeweils zuvor.

 Die Naht

Wochen nach diesen Zeiten hatte ich die lähmende Krankheit. Meine Knie verloren erstmal an Bedeutung, ich konnte nicht mehr laufen, klettern, skifahren, springen, tanzen ... Fast nichts mehr konnte ich. Und im Laufe der nächsten Jahre sah ich immer mehr auf meine Knie, vielleicht in der stillen Idee, sie zu verzaubern. Verzaubern, daß sie die Lähmung abwerfen könnten. Eine Art Schamanentum versuchte ich, obwohl ich nichts davon wusste. Eine Art Zauberei, also etwas geschehen lassen, was aber nicht wirklich möglich war. So wie man ohne Augen nicht wirklich sehen kann. Die Biotechnik dahinter fehlt.

Und ich sah immer mehr auf eure Knie, ging in Tanzclubs um euch tanzen zu sehen, und manche Träne floß vor Wehmut, wenn ich abseits in einer stillen Ecke saß ... Und immer mehr liebte ich Knie, und bin froh, daß wir heute in einer Zeit leben, in der die Kleider kurz genug sind ... Doch meine Liebe blieb lange geheim, bis ich vor ein paar Jahren begann, geliebte Knie zu zeichnen.

Ein anderer Weg entstand, die Beine so sehr zu lieben, daß ich nie in die Versuchung kam, sie geringzuschätzen. Das wäre das Verderben gewesen, wäre das Zugeständnis einer Minderwertgkeit gewesen: „ich bin nichts mehr,“ oder: „meine Beine sind nichts mehr.“ Dann wäre ich vielleicht in Depressionen verfallen

Manche Menschen haben mich angeregt, haben mir wieder ein wenig auf die Beine geholfen. Eine Frau, bei der ich zur Miete wohnte, nahm mich eines Abends und tanzte mit mir in ihrem Wohnzimmer, langsam, vorsichtig, doch es ging etwas. Der Mut kam wieder, obwohl es noch lange nicht die Art von Tanz war, wie ich es kannte.

 
die Gartenanemone bewundert mein
bunt geschmücktes Knie

 Ich liebe meine Knie, und das ist es. Ein erotisches Verhältnis habe ich zu meinen Knien  – sie sind wunderbar und bewundernswürdig. Ihr mögt mich einen Narziss nennen – ja das bin ich. Ich liebe mich ganz. Ohne den Narziss in mir wäre das Leben zu langweilig geworden, denn es fehlen ja Laufen, Tanzen, Wandern ...

Du kannst sehen, ich liebe Menschen-Knie überhaupt. Oder sind Knie etwa was ganz Gewöhnliches wie alles am Körper? Nein, nicht für mich. Doch wenn ich unter den Stichworten Knie, knee, gamba, knæ und so weiter unter Google-Bilder nachsehe, finde ich nur selten schöne, achtungsvolle, beachtenswerte, liebende Bilder. Knie sind im Web meistens Leistungsorgane, wenn ich den Google-Nachrichten glauben will. Meistens sind sie bedeckt mit Kleidungsstücken oder Geräten mit Schutz-Funktionen, manchmal auch bunt geschmückt, selten. Ja, sie sind Leistungsorgane, aber sie sind besonders schön!

Doch in Wirklichkeit ist es so: heutzutage können wir die Knie unserer Mitmenschen meistens nicht sehen. Das war in anderen Zeiten anders. Zu unseren Kindzeiten, als wir so zehn oder auch noch, als wir zwanzig waren, hatten alle Kinder und Jugendlichen in warmen Jahreszeiten nackte Knie, Frauen auch, Männer allerdings sehr selten. Und wenn es kalt war, zogen Frauen immer, Kinder meistens lange Strümpfe an, dann blieb die Form der Knie immer noch sichtbar. Heute zeigen nur noch wenige Frauen ihre Knie. Und Kinder fast garnicht, außer ganz kleine.

 Es ist mir, daß dieser Bub die Nacktheit seiner Knie mag – 
er trägt einen einfachen Kilt, also 
Wickelrock, um seine Beine besser zu fühlen.
Sehr verändert nach Ottolo.

Damals waren kurze Hosen das Privileg der Knaben, Männer seltener, Mädchen noch seltener, und ganz selten Frauen. Heute ist es so: Kurze Hosen werden am meisten von Frauen, dann Mädchen, dann Männern und : am wenigsten von Knaben getragen.

Einmal, oh Frieda, als meine Knie bereits gelähmt waren, hattest du Perlons an – wie ja meistens –, und das hat mich so begeistert, daß ich dich bat, auch meine Knie in Perlons zu kleiden. Du gabst mir alles Nötige, und ich habe mich noch mehr begeistert. Und da begann eine neue Lebensphase, liebend strich ich mir über meine hageren (weil atrophierten) Knie. Meine Hingabe zu den Knien hat mir viel neue Lust gebracht: ich lernte noch mehr, meine Beine, und besonders meine Knie zu lieben, verliebte mich in diese besonderen Teile meines Körpers. Strich über meine Knie in den Nylon- oder anderen Strümpfen und genoß dieses Besondere: Nylons über Knie, Knie in Nylons.

Und das war besonders gut, wenn ich mir vorstellte, wie unfähig nun meine Beine geworden waren – durch die Lähmungen. Und dennoch: so sehr geliebt!

Nun sah ich illustrierte Zeitschriften durch auf der Suche nach Bildern von Knien, und sammelte, was mir gefiel. Ein Album mit vielen Bildern von schönen Knien entstand, meistens Frauenbeine, seltener Kinder, noch seltener Männerknie – das zeigt, wie die Geschmacksrichtungen der Journalisten und Leser sind. Und später begann ich das alles selbst zu zeichnen, Bleistiftzeichnungen nach Fotos oder Erinnerungen, und meine Zeichnungen von Knien der Kinder und Frauen - in langen Strümpfen - kannst Du heutzutage im Internet sehen, als ein Blog: http://kinderstruempfe-lang.blogspot.com/. Das Blog heißt nun „alte Kindermode – die Strümpfe“. Und da seht ihr die Knie, geschmückt – nach meinem Geschmack – durch die Strümpfe. In Strümpfen sind die Knie noch besonders liebenswerter.

Doch auch die medizinischen Konstruktionsbilder der Knie zeigen Vieles: vielleicht ist es die perfekteste Konstruktion eines Gelenkes in der Schöpfung – und zudem eine der schönsten. Spiel in Gedanken nur mal durch, was du alles mit deinen Knien tun oder lassen kannst – wenn keine Lähmungen in der Umgebung sind.

... bis hin zur Verführung eines geliebten Mannes durch den Anblick und die tanzenden Bewegungen. Schon, wenn ich deine Knie sehe, verliebe ich mich in die ganze Frieda. Und wenn ich darüber streichen darf. In Strümpfen noch mehr als nackt.

Doch ungeachtet all dieser Fähigkeiten: denke mal, was sie tragen können. Ich kannte mal einen Mann, der sehr viel aß und dessen Körper sehr schwer war, er war Seemann. Ich massierte ihm mal leicht die Beine und besonders seine Knie, und ich sagte ihm, deine armen Knie können das doch nicht alles tragen! Nach einigen Monaten war er am Herzversagen gestorben, alles war zu schwer geworden – für die Knie und das Herz.

Deine Knie sind Stütze, wenn du kniest, halten den Abstand zum Boden. Hocke dich mal hin und sieh dir deine Knie an – in welcher stützenden Spannung sie dann sind. So wie der linke Bub´ hockt.

aus einem Klassenbild aus Hirzel (Schweiz) 1941
(http://www.lehrmittelverlag-zuerich.ch/tabid/316/language/de-CH/Default.aspx
 dann "Suchen", Ort: "Hirzel", Jahr 1941 und 1941, "Suchen", das erste Bild)

Sie können zittern, wenn du erregt bist. Sie können den Fußball stoßen, oder ein Kind zwischen sich klemmen, wenn du es festhalten willst. Wenn  du stürzt, gibt es eine Schorfwunde auf den Knien, die bald wieder verheilt. Doch eine Narbe mag zeitlebens bleiben und dich erinnern. Hast du beim Sturz Strümpfe oder lange Hosen an, mag es ein Loch geben. Du bist dann gezwungen,  es zu reparieren, durch Stopfen oder einen Flicken. Ich habe es auch schon erlebt, daß die Strümpfe heil blieben aber die Haut zerrissen wurde, es gab lange Wochen Schorf.

Und wenn du Nylons trägst, und deine Knie berühren sich beim Gehen oder Tanzen, gibt es ein raschelndes Geräusch, das mich sehr erregt. Oder wenn deine Strümpfe ein wenig zu groß sind oder nicht fest gespannt, schlagen sie Falten an den Knien, was ich richtig süß finde. Auf dem Bild unten fühle ich mich dem rechten Mädchen besonders nahe - wegen der Falten an den Knien. Den anderen auch, und es sind eher die Knie als die Gesichter, die mich anziehen.


in einem englischen Mädchen-Internat der dreißer Jahre

Wie lange das mit mir schon so geht, weiß ich gerade nicht. Doch erst in den letzten Wochen habe ich diese Sache gestärkt, verstärkt gespürt. Es ist eine innere Bewegung, die zwar nicht mein tägliches Seelenleben ganz ausfüllt, aber immer wieder in der Seele aufflackert, hell aufflackert. Es sind innere Bilder, aber sie kommen aus meinen Beinen, meinen Knien.

Ursachen mögen in Folgendem liegen: Gerade jetzt im Herbst fühle ich manchmal ein kühles Kribbeln an den Beinen, unter den Baumwollstrümpfen, wenn das Kühle der Luft unter dem Rock zu spüren ist. Ich entdecke immer wieder, daß so die Gefühle der Frauen früher waren. Diese Gefühle genieße ich, und das ist einer der Gründe, daß ich diese Kleidung so trage, sehr gerne trage ... am liebsten lange, weite Röcke und baumwollene, lange Strümpfe, manchmal fröstelnd an der Beine-Haut.

Also, ich bin mir der Gefühle an meinen Knien und Beinen sehr, sehr bewußt, sie begleiten mich den ganzen Tag, immer. Ich schreibe „an“ meinen Beinen, denn ich spüre das nicht so sehr innen doch am ehesten an der Haut. Ja, das sind die feinsten Gefühle meiner Beine, und auch der Strümpfe. Am sensibelsten im Bereich der Knie.

Wenn ich meine Knie sehr fühle – sei es schmerzend oder einfach kribbelnd oder gestreichelt oder kühl –, kommt was Neues. Zuerst hatte ich eine Vision, daß vor, oder auf meinem linken Knie eine Art Geflecht war, wie ein vertrocknetes Wurzelgeflecht, etwa zwei offene Fäuste groß ausgedehnt vor dem Knie, hier eine Idee-Skizze. Das dehnt sich auch an andere Stellen aus, an den Beinen, auch manchmal am Unterleib, alles umhüllend, einhüllend, umgreifend. Den Unterkörper bedeckend.

das visionäre Geflecht vor dem Knie


Meine Knie sind schön – jedenfalls für mich, sehr schön. Alle Knie sind liebenswert – auch weil sie so perfekte Gliedmaßen sind, Kronen der Schöpfung. Ich schmücke sie mit bunten Strümpfen und bunten Röcken und aus diesen Röcken herauslugenden Unterröcken mit rosa Spitzen.Und ich schmücke sie mit freudigen Gedanken.

Wie gesagt, sie sind meine Liebe, und ich wünschte, daß alle Menschen ihre Knie so schmücken und mir die Liebe zu ihnen erlauben.


Doch ich kenne auch die Gefährdungen. Wie oft verletzen sich Menschen ihre Knie, besonders beim Sport, Wandern oder in harten Berufen. Meniskusriss und so. UInd da habe ich um meine Knie immer wieder richtig Angst, das sind meine ärgsten Ängste, nicht selten. Helfen tut mir da nur große Achtsamkeit.


Als Trost: oft sitze ich und streichele meine geliebten Knie voller Hingabe und Zuneigung. Und das wirkt tiefer, wenn sie von Strümpfen umhüllt sind. Dann lebe ich meine Knie, dann bin ich meine Knie, sie sind das Zentrale meiner Körpergefühle.



Meine Hauptliste der Blogs ist hier:

Blogs über lange Strümpfe hier:



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Elftens – Stefan´s Liebe zum Tamilen-Land (TamilNadu, Süd-Indien), die tamilische Musik, die tamilischen Frauen.





Dieses bunte TamilNadu!


Diesen Bericht habe ich verlegt nach:

http://wurzeln-in-indien.blogspot.com/2011/11/tamil-nadu-in-schwerin.html




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Sechstens - Michelangelo Caravaggio – „Amor als Sieger“
(Caravaggio: 1571 – 1610)

Über alle meine Blogs findet ihr eine Liste unter;

In Gedenken an Hans-Detlev Brandt

Hand in Hand gingen Detlev und ich durch die Gemäldeausstellung. 1949 in Wiebaden. Da war der berühmte Mann im Goldhelm von Rembrand van Rijn, ein junger Mann saß davor mit einer Staffelei und kopierte das Bild, malte es ab. „Das ist eine Übung während seines Studiums“ sagt unser Lehrer. „So lernt er das Bild in vielen Tiefen kennen.“

Detlev legt meinen rechten Arm um seine Hüfte, er ist ja einen Kopf größer als ich. „Ist das nicht wundervoll, daß Herr L. uns diesen Gang ermöglicht hat?“ In einer kleinen Halle hängt allein ein Bild von einem nackten Jungen, der siegesgewiß ein paar Pfeile in der rechten Hand hält. „nackt, wirklich sehr nackt – und schön,“ sagt Detlev. „... so schön jungenhaft bin ich nun nicht mehr.“ Lange bleiben wir vor dem Bild, wandern hin und her und sehen es von verschiedenen Winkeln an. Ich weiß wie schwarz und dicht behaart Detelev´s Beine sind und möchte das nie an mir haben.

„Amor als Sieger“
Bild um 1600 *)
„Amor Vincit Omnia – Amor besiegt alles“

„Ach nun möchte ich mal andere Gemälde sehen, wozu sind wir sonst hier,“ sage ich und ziehe Detlev weiter bis wir die anderen treffen, sie stehen vor dem Goldhelm. Und bewundern den Kopierer.

Detlev streicht mir über den Kopf, „siehst du auch so schön aus wie der Sieger?“ Ich sage, „sehe ich so schön aus?“ Die anderen unserer Gruppe aus dem Internat sind etwas älter als ich, ich bin erst 14 geworden und der Jüngste. Detlev ist 18 und schon recht groß. Bald wird er das Abi machen und dann aus dem Internat verschwinden. Er will Kunst studieren. Herr L. hat mit uns diese Reise zur Ausstellung gemacht. Ich bin ganz begeistert von dieser Reise, denn Herr L. ist unser Kunstlehrer und weiß viel zu berichten über diese Bilder. Und irgendwie sind wir alle Freunde in dieser Gruppe, acht Schüler aus unserer deutschen Schule in der Lorraine, ältere und jüngere, ich wie gesagt der jüngste. Die Kunst ist unser gemeinsames Thema, Lieblingsthema. Und nun diese Ausstellung – und nun dieses Bild des Siegers.

Bisher sah ich Kunst als etwas vom normalen Leben recht Abgehobenes, schön aber nicht eigentlich echt. Doch dieses Bild berührt mich sehr. Äußerlich ist es auch nicht echt, aber es berührt so manche Gefühle, auch starke Gefühle, besonders Gefühle von Körperlust. Das ist was sehr Echtes. Immer wieder muß ich hingehen, und am Eingang kaufe ich mir ein Büchlein über die Ausstellung, in dem eine Kopie des Siegers ist. Detlev ist ebenso berührt, und immer wieder vergleicht er mich mit dem Jungen von Caravaggio, „ich möchte dich auch mal so sehen, und dann malen – ob ich schon so gut malen kann?“ Und so nackt, ohne alle diese Kleidungssachen. Ich habe da wenig Scham, würde das wohl mitmachen, obwohl ich noch recht kindlich aussehen würde. Ich sollte meinen Körper mal ausführlich im Spiegel ansehen. In den Ferien zuhause, dort hat meine Mutter hat einen dreifältigen Spiegel, um sich auch seitlich sehen zu können.



 „Obwohl du dich für diese Reise sehr schön angezogen hast, der Schönste von allen.“ Was habe ich denn an? Nichts Besonderes, wie fast immer, oder etwas jugendlicher als sonst: der einzige von uns in kurzen Hosen, schwarze Cord-Hosen, und bein-lange, beige Strümpfe, rosa Schisocken – so weit zu den Beinen. Und oben einen hellgrauen Pullover, und das orange Halstuch, das Detlev mir für diese Reise geschenkt hat, Seide! Ich weiß, was Detlev mag, und ebenso habe ich mich angezogen. Er mag es, wenn ein Junge lange Strümpfe trägt. Er versucht immer wieder, die Jungen in unserem Internat davon zu überzeugen, und manche machen auch mit.

Bald trifft sich unsere ganze Gruppe vor dem Sieger-Bild. Herr L. fragt uns, was wir empfinden. Detlev bemerkt, „wenn ich dieses Bild sehe, fühle ich mich dem Amor sehr nahe, und ...“ er zögert, “und ich fühle mich meinem Freund Stefan (das bin ich) sehr nahe.“ Er wird rot, und Herr L. sagt, „du bist verliebt in ihn, nicht wahr? – in den Amor oder in Stefan?“ „in beide, aber Stefan ist lebendig, doch der Amor da wird nicht alt und erwachsen, er bleibt immer ein Kind. Er bleibt so süß. Ich werde mir einen Druck aufhängen und drunterschreiben, das ist Stefan´s Seele.“

Das macht mich sehr verlegen, und ich sehe die beiden anderen aus meiner Klasse an, wie es ihnen wohl ergeht. Jeder berührt den Arm eines der Älteren und ist auch rot und verlegen, alle merken, es geht uns alle an. „Seht, DAS ist Kunst, wenn es einen direkt angeht. Caravaggio ging das auch alles an, er war ein sehr emotionaler Maler, allerdings hat er auch gestritten, gefochten, gesoffen, gehurt, aber ich denke, er hat auch Knaben geliebt, jedenfalls wenn ich seine Bilder ansehe, kommt mir dieser Eindruck. Und Mädchen - denkt an Judith, wie sie den Holofernes umbringt, das ich euch neulich zeigte - so viel Kraft, sein kraftvollstes Bild, denke ich.“

„Und er wurde auch schon zu seiner Zeit wegen dieser Bilder kritisiert, wie heute auch. Doch niemand hat wohl abgestritten, daß er ein vortrefflicher Maler ist. Und wenn er auch das Verwerfliche gemalt hat, oder das Grausame ..."

Detlev nimmt mein Gesicht in seine Hände und steichelt meine Wangen – „sieh, das hat der Maler gewiß auch getan“, und er küsst mich auf eine Wange und geht verlegen wieder zur Seite. Im Museums-Caffee spendet Detlev mir ein Stück Kuchen und eine Tasse Kakao. Doch er selbst nimmt nichts und sieht mich andauernd an. Ich weiß nicht wie ..., wohl sehnsüchtig? „Was möchtest du jetzt?“ frage ich ihn. „Ich freue mich an deiner hellen Stimme, und ich bin schon traurig, weil du bald eine tiefere Stimme haben wirst, so wie ich auch.“

„Ich möchte dich gerne mal singen hören – so lange es noch geht,“ sehnt sich Detlev später. Da sitze ich auf einem Caffee-Stuhl und habe ein Bein übers andere geschlagen – „ich sehe, wie du mich ansiehst, wie du mir ins lockere Hosenbein siehst,“ „ja es ist etwas Besonderes, ... ein bißchen nackte Haut ...“

Verlegen sagt er, „und diese Nacht in der Jugendherberge möchte ich gerne, daß wir zusammen in einem Bett schlafen, einfach ganz dicht aneinander liegen und unsere Körper spüren. Deinen hellen Atem hören, dein helles, leichtes Schnarchen und so weiter. Möchte dir über die Haare streichen.–

Und ich möchte dich gerne nackt sehen, so wie der Armor, und wenigstens ein paar Fotos machen, für später, wenn sich das alles geändert hat. Dann kann ich dich mal malen, nach den Fotos, denn das muß ich erst noch lernen, so ein Naturtalent wie der Caravaggio bin ich ja nicht.“

Unsere Gruppe hat ein eigenes Zimmer in der Herberge, fünf übereinander gestellte Doppelbetten, recht schmal. Herr L. schläft im Lehrerzimmer. Abendessen, nachher ein Gang in die Stadt, an den Rhein, zu Bett – doch wir spielen uns alle nochmal den Amor gegenseitig vor. Detlev sagt, „heb´ doch wenigstens dein Nachthemd nochmal hoch. Damit ich weiß, mit wem ich zusammen schlafen werde – willst du noch?“ Ich lasse meine Strümpfe an und auch den Strumpfhaltergürtel, das hat etwas von Richtigkeit an sich. Ja, das Nachthemd hebe ich hoch und setze mich auf die Tischkante. „Du hast da ja ein paar dunkle Haare, das zieht den Blick richtig an. Ich kann gerade nicht wo anders hingucken. Laß dein Hemd wieder runter, daß ich dir wieder ins Gesicht sehen kann.“

Ich lege mich ins Bett und hole mir die Decke aus meinem Bett. Detlev kommt gleich und sagt, „du mein süßer Amor – du bist auch ein Sieger, hier im Bett, der Sieger über mich.“ Und er steichelt mir unter dem Nachthemd über den Bauch und an den Schenkeln. „Die Kunst des Caravaggio hat mich sehr ergriffen, merkst du´s?“ „Ja, ich merke es, aber mich auch – über dich, über deine Gefühle für mich.“

Ich schlafe ein, und am Morgen sagt Detlev, „ich habe die ganze Nacht dein Gesicht angesehen, konnte kaum schlafen, die Straßenlaterne hat hereingeschienen. Es sah so wundervoll aus, diese schlafenden Kinderaugen ... oder als du dich umgedreht hast, habe ich deine blonden Haare angesehen und ihren Duft gespürt.“


Am nächsten Tag noch mal im Museum. Ein älterer Mann beobachtet uns eine Weile, sagt ein paar Worte: „Oft denke ich daran, ein Junge ist eine besondere Art Mensch, nur für ein paar Jahre, und dann ist er ein Mann, schon lange kein Knabe mehr. Knabe ist etwas ganz Besonderes, so wie du gerade in diesen Jahren. Kannst du das auch genießen?“ „Ja, kann ich, weil Sie mir das sagen, mich darauf aufmerksam machen, weil ich meinem Freund hier Freude machen kann, ich liebe ihn doch auch. – Es ist mir aber auch wichtig, daß die Größeren mit meiner Art sehr sorgfältig und liebevoll umgehen. Daß sie diese meine sehr empfindsame Art als etwas sehr Wertvolles achten und schätzen. Daß ich diese Zeit in guter Erinnerung behalte ...“

„Dann hat Caravaggio ja etwas ganz Wertvolles getan, hat etwas sehr Wertvolles begonnen,“ sagt der Mann und geht weiter.

„Dann hat er etwas Großes für die Liebe getan,“ sagt Detlev auch.

Sehr erfreut bin ich hinterher, daß ich diese Gabe bekommen habe, einen Menschen auf diese Art glücklich zu machen, fühle mich gesegnet. „Doch dir wurde auch eine Aufgabe ins Leben mitgegeben, deine Schönheit den anderen mitzuteilen, sie teilhaben zu lassen, dich zu öffnen.“ Das sagt später bei der Nachbesprechung Herr L., dem ich ebenso danke wie dem Caravaggio, wir hatten gerade über solche Wirkungen von Kunst gesprochen.

Einige Jahre später ist Herr L. bei einem Motorrad-Unfall gestorben. Wie ich das höre, war ich schon 25 und habe ihm mein Gedenken in Dankbarkeit gewidmet – und heute diese Gechichte geschrieben.

am 19. Januar 2011 von Aryaman


So viel Gold! Ich hätt´s auch gegeben. *)

So sah Caravaggio aus.



*) Öl auf Leinwand, 156x113cm, Gemäldegalerie, Staaliche Museen zu Berlin – Preussischer Kulturbesitz

Nachbemerkungen: Mit meiner Knaben-Gruppe ("Familie" genannt) war ich 1949 mit 16 in dieser Ausstellung und habe mich tief berühren lassen von Caravaggios´s Amor, Herr L. war unser Kunstlehrer, doch Herr  Z. hat uns nach Wiesbaden geführt. Die Nähe zu Detlev hatte ich allerdings in Wirklichkeit nicht - er war mir zu erwachsen.





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Siebtens - Lina oder die totale Forderung nach Liebe
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von Swami Prem Aryaman
(26. August 2009)

Als erwachsener Forscher von einigen Jahren über 50 pflegt man sich zurückzuhalten, wenn eine junge Frau kommt und die göttliche Ekstase der Liebe vor einem ausbreitet - wenn es auch keine Regeln gibt: es ist einfach so. Je höher der Rang in der Forscher-Hierarchie, desto trockener ...

Hei, glücklicherweise ist's nicht ganz so trocken in mir. Vielleicht hängt das damit zusammen, daß ich wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolg nie angestrebt habe, nie den Ehrgeiz dazu hatte. Denn die Gewalten und Ekstasen der offenen Natur hatten mich als Biologe auf's Meer gezogen und nicht die tiefen Erkenntnisse exakten Forschens in die Labors und Bibliotheken.

Eines Tages geschah es, wovon ein Mann so oft träumt: eine Werkstudentin sitzt vor mir - nachdem sie schon zwei Wochen still ihre Arbeit einfach getan hatte - und schiebt ihre Hände zögernd auf meine zu. "Schon lange möchte ich deine Hände mal berühren, du hast so schöne Hände, ich glaube, sie sind sehr gute, liebe, heilende Hände." Und sie streicht ganz leicht mit einem Zeigefinger durch meine geöffneten Handflächen. Oh Schock, nun ist es passiert, sie könnte meine jüngere Tochter sein, ich in meinem Alter, sie noch so jung, naiv und unerfahren, ich muß mich um sie kümmern, darf mich da nicht reinfallen lassen, muß sie warnen, nicht zu freigebig ...

Ihre großen Augen, blasses Blau, sehr eigenartige Augen - so groß, so offen, so ohne Scheu. Sie dringen tief. Man kann auf keine Weise unehrlich sein - sie sind wie die Augen von Kindern, dabei ist sie 23 und könnte selbst schon Kinder haben. Trägt einen Jeans-Minirock mit Trägern, blaue Strumpfhosen, ihre langen blonden Haare sind fast so lang wie der Rock - oh.

Sie hat ihre Hände in meine gelegt, Flächen an Flächen und schaut mich einfach nur an. Nur die Augen, kein Lächeln, kein ernst-Sein, einfach nur so-Sein, still, ganz lebendig.

Sie streicht mir über's Gesicht, kommt um den Tisch und steht vor mir. Sie ist so klein, daß ihr Kopf nur wenig über meinem ist, wie ich sitze.

Wir schauen uns tief in die Augen und atmen hörbar. Ich spüre die Liebe in mir, die Frau so dicht mir gegenüber, ich fühle alles in mir: den Körper, die Energien, meine Lebendigkeit, Ekstase, fühle mich so weit und ausgedehnt in dieser Welt, bin einfach diese ganze Welt, weit weg von dieser Enge meines Ich. Das ist das Leben - ist das nicht eigentlich Liebe! Mehr als das Wort Leben fällt mir nicht ein - und Lieben, aber das ist ja fast gleich.

Als sie gegangen ist, bleibt dieses Gefühl. Es bleibt Tage, und abends und nachts, wenn ich bei meiner Freundin im Bett liege und wenn ich autofahre, am Mikroskop sitze, am Schreibtisch ... überall. Ich jedenfalls fühle, wie ich meiner Freundin mit einer tieferen Energie begegne, ehrlicher, authentischer, kraftvoller. In der Umarmung denke ich an die Studentin, fühle meine Energie sprudeln und gebe es tief in die Umarmung hinein - diese Wärme, wie ich sie noch nie so schön erfahren habe.

Zwei Frauen, so verschieden. Doch es gehört zusammen.

Ein paar Tage später liegt ein Zettel auf meinem Tisch - von der Studentin Lina geschrieben: »Eine Versuchung wirst Du nur los, indem du ihr erliegst«.

Sie arbeitet wieder bei mir, aber sie wohnt in der benachbarten Universitätsstadt. Dort besuche ich sie eines Nachmittags und finde sie in ihrem Zimmer in einer kleinen Wohngemeinschaft. Wir sitzen zusammen, trinken Kakao, ihr Kater streicht umher und ist ein bißchen liebebedürftig. Lina auch, sie setzt sich neben mich auf's Sofa und streicht wieder meine Hände und dann meine von einer Lähmung dünn gewordenen Knie. Sie hat ein weites ganz buntes Leinenkleid an und wollene dunkelblaue Strumpfhosen - etwas pausbäckige Form von mädchenhafter Kleidung.

An der Wand hängen ein paar Flöten und eine Gitarre. Sie spielt etwas auf einer Querflöte. Dann schimpft sie den Kater herbe aus, weil er so miaut. Ihre Wäsche ist wirr in einem Regal zusammengestopft und allerlei Dinge liegen umher. Aber es ist eine besonders schöne Stimmung in ihrem Zimmer, warm, fraulich-mädchenhaft, freundlich, offen, ohne Geheimnisse.

Lina gibt mir einen Brief: »Vor ein paar Tagen schon, wollte ich Dir etwas erzählen, aber es kam nicht über meine Lippen. Also schreibe ich es hier auf, denn ich muß es einfach loswerden.

Es war einmal ein Mädchen, von ungefähr 11, 12 Jahren. Es war gesund und kannte keine finanziellen Sorgen. Die Pubertät kam und es begab sich auf die Suche. Doch daß das Mädchen etwas suchte, war ihr nicht bewußt, noch was es suchte. Es kam der erste Freund.

Danach folgten noch viele Freunde. Doch das, was das Mädchen suchte, war nicht dabei.

Langsam war es dem Mädchen bewußt, was es suchte. Nicht die Liebe und Wärme eines Vaters, denn die hatte sie. Nicht die Liebe und Wärme eines Geliebten.
Heute ist das Mädchen eine junge Frau. und was ist aus der Suche geworden? Vor einiger Zeit lernte die Frau einen Menschen kennen. Er war ruhig und gab viel Wärme. Die Frau nahm auf, was sie aufnehmen konnte. Sie hörte seiner Stimme gerne zu und beobachtete seine Hände.

Und so manches Mal wünschte sie, diese Hände berühren zu können oder berührt zu werden.

Hier ist die Geschichte erstmal zu Ende.

Wie sie weitergeht, kann ich nicht alleine erzählen, und auch nicht, ob oder wann sie zu Ende ist.

Denn dafür sind jetzt die beiden "zuständig" (mir fiel kein besseres Wort ein). Und wenn es denn so ist, geht die Frau wieder weiter auf der Suche nach einem Menschen, der ihr die Wärme eines - vielleicht kann man sagen - eines Bruders geben kann, eines zärtlichen Bruders?«

Ich las den Brief und wußte nicht weiter. Da ist ja meine alte Freundin, und wie kann ich mit einer solchen doppelten Beziehung umgehen, wie wird sie damit umgehen? Alles ist mir wichtig - ich kann doch nicht einfach eine solche Liebe, wie sie aus Lina ausströmt, links liegen lassen! Wie unmenschlich, nein: das wäre Verrat an der Liebe, und eine solche Liebe ist so eine seltene Pflanze.

»Du bist ein richtiger Wissenschaftler, alles muß objektiv sein, bloß keine Ungenauigkeiten - und dabei bist du so frisch, hast so ein junges Herz.«

Einmal kniff sie die Augen zusammen und sagte »... denn du könntest mir doch mal ohne Bedenken deine heiße Liebe schenken ... - willst du nicht die Nacht hier bleiben? - Ich möchte so gerne einfach mal mit dir zusammen in einem Bett schlafen, nur so. Die Wärme ist mir wichtig, deine Nähe, deine Wärme,« und sie gurrte wie man es aus Liebesgedichten kennt, dann lachte sie laut los über ihre und meine Art des Begegnens.

»Aber erst essen wir etwas zusammen«, und sie holte Brot, Käse, und machte einen Yogi-Tee. Sie legte sanfte esoterische Musik auf, so recht für die Wärme der Herzen. »Sieh mal, alles erregt mich so, schon wieder bin ich ganz naß zwischen den Beinen. Die Strumpfhose ist schon ganz naß.« Dabei hatten wir noch nicht einmal gekuschelt, uns kaum berührt.

Und wir lagen die Nacht halb ausgezogen unter einem riesigen Federbett - nicht einmal richtig nackt.
Aber irgendwann in der Nacht meinte sie, so geht das nicht weiter und legte sich auf meinen Bauch - still, und wir schliefen so eine Weile.

Am Morgen wollte ich früh aufstehen, um rechtzeitig zur Arbeit zu kommen, aber Lina sagte, das geht nicht. Bleib noch etwas. Sie war unerbittlich - wie kann man da einfach wegfahren? Und so blieb ich noch ein paar Stunden, immer mit dem Gefühl, vielleicht will im Institut schon jemand etwas von mir, und ich bin nicht da, das ist nicht recht.

- sie war unerbittlich: eine so süße Frau, mit einer solchen Zuneigung, so viel Vertrauen, so viel Liebe. Ihre Stimme konnte so weiblich sein, so klar und fein, sehr hoch und doch ganz natürlich. Aber sie konnte auch ganz schön herbe sein - wenn auch nur im Spiel - zu ihrem Kater. Wenn wir standen und uns in die Arme nahmen, war ihr Scheitel noch ein Stück unter meinem Kinn. Ihre langen blonden Haare hatte sie in einem Zopf geflochten und mit einem dieser wolligen Haargummis zusammengebunden - ich übernahm diese Sitte bald, denn meine Haare waren auch ziemlich lang. Ihre Wangen waren so zart - sind sie wirklich zarter als bei anderen jungen Frauen?

Wir trafen uns ein paar mal, aber meine Freundin Etta mochte das gar nicht. Sie schrieb mir etwas später, »mir fällt es schwer, damit umzugehen, daß Lina die gleiche Beziehung zu dir hat wie ich. So ganz wohl ist mir einfach nicht dabei. ... Ich bin verwirrt auch deshalb, weil ich von mir aus alles nur einem Mann geben kann und nicht gleichzeitig noch anderen die gleiche intensive Liebe geben kann.«

Ettas Verstimmung nahm zu und wir hatten einen sehr traurigen Abend miteinander. Vorher hatte ich Lina angerufen und ihr vorsichtig zu sagen versucht, daß wir etwas mehr Abstand .... Und da war sie so erschrocken und hat am Telefon geweint und ich auch und später bei Etta noch mehr. Es war alles wirklich sehr traurig.

Am nächsten Tag kam ein Brief von Lina:

»Ein Tempel wird gebaut.
Stein für Stein
Skulptur für Skulptur.
Erst langsam und zart,
dann schnell.
Der Tempel (vielleicht Khajuraho) steht!
Welche Pracht.
Höchstes Glück.
Freude, Wärme, Harmonie, Liebe.


Aber dann:
Ein Blitz. Ein Schmerz. Ein Schrei: N e i n.
Es tut weh, sehr weh.
Der Tempel spaltet sich in der Mitte.
Alles erzittert.
Lärm, Getöse, Ohnmacht.
Als ob man einem Menschen, bei lebendigem Leibe
das Herz herausreißt.
Krach, Staub, Zittern.
Der Tempel ist eingestürzt.
Alles dem Erdboden gleichgemacht,
graue Trümmer und Staub.
In der Erde klafft ein tiefes Loch.
Hier und da
Stücke von einer zerbrochenen Frauenskulptur.


Und ich sitze dazwischen
und spüre mein Herz nicht mehr.«

Totale Verwirrnis bei mir. Ich fühle mich überfordert. Ettas Liebe, Linas Liebe, meine Liebe zu beiden - alles ist doch o.k. Haben wir Menschen nicht so viel Liebe in uns, daß wir freigebig in alle Richtungen geben können? Wer verliert in so einem Fall was? - außer etwas Zeit? - aber Zeit ist ja nicht Ettas Problem. Sie kann es nicht ertragen, wenn ihr Geliebter seine Liebe noch gleichzeitig anderen gleich intensiv gibt. Meine Trauer geht weiter.

Ich fühle mich eingedrängt zwischen Ettas Art, die Sache nicht annehmen zu können, und Linas ganz starker Liebe. Ich will doch so eine Liebe nicht einfach ablehnen - das wäre doch das Schlimmste - wo Liebe doch die stärkste und religiöseste Art ist, Mensch zu sein. Es gäbe nur einen Grund: daß Zeit und Energie fehlen - aber das ist hier nicht der Fall. Und außerdem ist Linas Art, mir ihre Liebe zu geben, etwas so schönes, ihre Freundschaft so tief - da würde ich mir selbst ein großes Leid antun, wenn ich mich zurückzöge. Das gilt auch für meine Liebe mit Etta, wenn auch unsere Art einander nahe zu sein, ganz anders ist.

Ich fühlte die Versuchung, zu Etta nicht mehr von Lina und unseren Treffen zu erzählen. Aber das wäre ganz schlimm geworden und hätte unsere Lieben total belastet, alles wäre bald zusammengebrochen. Und so blieb ich bei einer gewissen Offenheit. Ich zog mich etwas von Lina zurück - doch dann kam ein Brief:

»Lieber Brummbär, ich weiß, mein Anspruch ist wohl zu groß. Genauso groß ist meine Sehnsucht zu dir. Vielleicht ist meine Liebe zuviel für dich, vielleicht auch zu tief. ... Ich laß dir die Freiheit und die Zeit, die du brauchst, auch wenn es mir weh tut und ich traurig bin. Ich hatte mich doch sehr auf das Zusammensein mit dir gefreut. ... So manches Mal könnte ich schreien. Da möchte ich mich am liebsten in den nächsten Zug setzen und zu dir fahren.

Am Mittwoch nacht tue ich es auch. Es wird dir gehörig schwerfallen, mich davon abzuhalten. Und das ist nur der Anfang. ...«

Innerlich mußte ich zugeben: diese Liebe war etwas zu viel für mich. Ich hatte noch nie so etwas erlebt. Hätte ich mich ganz hineinfallen gelassen ... ich hätte alles andere fort geworfen, verlassen. Das ist ja gerade das Ideal von Menschen, die einer höheren Erfahrung zustreben wollen, und ich hatte auch einen spirituellen Weg der Vollendung gewählt - wenn es dann aber so nahe kommt ... oh je, da bekomme ich Angst. Was wird danach kommen? Wovon soll ich leben? Was werden die anderen Menschen mit mir anfangen?
Einmal schrieb Lina in einem sehr hübsch hergerichteten Brief:

»Mit Liebe, und alles was darüber hinausgeht, erfülltem Herzen, schreibe ich dir diesen Brief.
Offenheit, Freundlichkeit.
Wann wird unsere Beziehung endlich tiefer gehen? Ich liebe, ich bin so davon erfüllt.
Es gibt nur einige, wenige, die so offen sind, sie anzunehmen.
Aufzunehmen. Aber keiner wagt es, sie ganz aufzunehmen.

Ich brauch´ dich, weil du für diesen Moment der einzige bist, der fähig wäre, sie zu nehmen und wiederzugeben.
Ich brauche dich, um meinen Weg weiter gehen zu können, der darauf wartet, von mir betreten zu werden.
Bitte gebe mir! Du wirst es nicht bereuen. Auch du, liebster Freund, wirst dadurch reicher werden. Sei offen. Lass' meine Liebe an dich heran, lass' uns zusammen für eine zeitlang tief versinken.

Ich komme, ich gebe und nehme, und ich gehe.
Ich weiß, daß wir nicht viel Zeit füreinander haben werden.
Ich stehe mitten auf einer Treppe, die letzten Stufen wollen erklommen werden, damit dann vor mir mein Weg liegt. Mein Herz ahnt, wohin dieser Weg führt.
Ich gehe langsam und bedächtig, immer weiter.
Soll meine Treppe denn ein Loch haben? Du kannst es mitentscheiden.
Schiebe unsere Zeit nicht zu weit auf.
Ich werde gehen, aber vorher muß ich mich tief in deinem Herzen aufhalten und jetzt bin ich noch nicht tief genug.«

In diesem Brief liegt das Angebot, mit Lina zusammen total zu werden, ganz Mensch zu werden, alles übrige, das nicht dazu passt, abzuwerfen - und warum habe ich's dennoch nicht gewagt? Ich klammerte mich zu feige an dieses Leben, das nur ein lauwarmes Leben ist - wie bei allen anderen Leuten auch. Ich traute mich nicht heraus aus unseren Sicherheiten: gutes und sicheres Gehalt, ehrliche, klare und gute Anschauungen, feste, treue Freundin, eigenes Haus ... und wenn ich Linas Aufruf total ernst genommen hätte: ich hätte das alles verlieren können, und Lina bald auch wieder.

Zwar: dies war eine einmalige Chance - aber wer weiß? - vielleicht kommt statt dessen auch nur das tiefe schwarze Loch. Diese Chance: was soll denn das eigentlich? Was bedeutet es schon, ganz und total Mensch zu sein, wenn alles andere verloren geht? Wer ist schon ganz und total Mensch? Gibt es die? Ich kenne nur einen in dieser Zeit: den indischen erleuchteten Meister Osho. Aber ist dies überhaupt die richtige Art, damit umzugehen? Bin ich da nicht auf dem Holzweg des Verstandes, des Kennens, Meinens, Denkens, anstatt mich ganz hineinzugeben? Wann kommt ein solches Angebot wieder in diesem Leben?
Sie kam am Mittwoch abend, und es wurde einmalig. Es wurde eine schönes Zusammensein - aber die Chance habe ich nicht ergriffen. Wie macht man das denn überhaupt?

Deswegen habe ich nach dem letzten Brief einen Plan gemacht, habe irgendwo angerufen und mein Kommen mit Freundin angekündigt, bin zu ihr gefahren und habe sie ganz kurz im Auto "in's Blaue" mitgenommen. Wir kamen bei Siddhartas Kristall-Bauernhaus an und hörten als erstes, daß eigentlich kein rechter Platz sei usw. Aber wir haben uns ohne Diskussion in den wunderschönen Meditationsraum gelegt, wagten aber keine großen ekstatischen Szenen - das gehört sich in einem solchen Raum nicht!

Die Leute waren gerade etwas ungehalten in dem Haus, und so fuhren wir am nächsten Tag weg, ins Grüne, legten uns nackt in die Sonne, nahe einem kleinen Wanderweg, und genossen einfach das So-Sein - aber der große Knack kam nicht. Irgendwie fehlt mir da was. Lina sag: was ist es? wo hinein lasse ich mich nicht fallen? Ist es denn das Besondere, sich als alter Mann mit einer jungen Frau nackt in die Sonne zu legen - wo immer mal Leute vorbeikommen?

Irgendwie war das denn auch der Höhepunkt. Danach wurde unsere Beziehung etwas weniger stark. Ich machte dauernd Bemerkungen, um sie darauf hinzuweisen, daß das Leben nun mal nicht so ekstatisch ist.

Und nun, wie ich das zwei Jahre später schreibe und die Briefe und Zettel wieder lese, werde ich schon wieder traurig: eine verpasste Chance! Wozu bin ich denn eigentlich Sannyasin von Osho geworden, wenn ich da nicht total hineingehe? Ist denn alles leere Spinnerei, was ich über Liebe, Freiheit, Fallenlassen, ganz-Mensch-Sein höre und selbst sage und schreibe? Bin ich denn weiter gekommen als die anderen, als Etta, als die anderen Menschen, die man so kennt?

Wird es so eine Chance in diesem Leben noch einmal geben? Noch immer weiß ich nicht, was diese Chance denn eigentlich bedeutet, was wäre denn geschehen?


Abgesehen von den geänderten Namen ist diese Geschichte fast wörtlich so geschehen, und ich bin dankbar, daß ich sie hier veröffentlichen kann, auch Lina ist offen für eine solche Veröffentlichung, ich habe das mit ihr abgemacht.











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